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Michael Thonet
wurde am 2.7.1796 als Sohn eines Gerbermeisters in Boppard geboren. Er
machte eine Lehre als Kunsttischler und gründete mit 23 Jahren seinen
eigenen Betrieb als Bau- und Möbeltischler in Boppard. Thonet begann
Möbelteile wie Kopfschwingen aus Schicht- und Furnierholz zu fertigen, bis
er schließlich ganze Stühle in gebogenen Formen auf den Markt brachte. Er
ließ seine Erfindung in England, Frankreich und Belgien patentieren. 1841
stellte er seine Schichtholzstühle in Koblenz aus, wo sie auch der
österreichische Kanzler, Fürst Metternich, der aus Koblenz stammte, sah und
begeistert war. Dieser empfahl Thonet, nach Wien zu gehen. 1842 folgten
seine Frau und 5 Söhne nach.
Am 16.07.1842 wurde Thonet das Privileg verliehen: „Jede, auch selbst die
sprödeste Gattung Holz auf chem.-mech. Wege in beliebige Formen und
Schweifungen zu biegen." In Wien arbeitete Thonet für den Parketthersteller
Carl Leistler und schuf prachtvolle Parkettfußböden und Sessel für das
Palais Liechtenstein. Als der Vertrag mit Leistler auslief, gründete Thonet,
inzwischen schon 53 Jahre alt, im April einen eigenen Betrieb zur
Herstellung von Bugholzmöbeln.
Mit dem Stuhl Nr. 4
führten die Thonets den 1. Auftrag für ein öffentliches Lokal aus: das
Kaffeehaus Daum in Wien. Auf der Weltausstellung im Kristallpalast zu London
stellte Thonet zum ersten Male Luxusmöbel aus, die mit ihrer Originalität
und Eleganz Aufmerksamkeit auf sich zogen. Er gewann die Bronzemedaille.
1855 erzielten die Fa. Gebr. Thonet die Silbermedaille bei der Pariser
Weltausstellung. Die Ausfuhr ins Ausland lief an. - Die Bugholzmöbel waren
zerlegbar und eigneten sich durch die niedrigen Transportkosten sehr für den
Export. Weitere Fabriken entstanden in Mähren, Ungarn und Polen. Der 1859
entwickelte Stuhl Nr. 14 aus massiver Buche erwies sich als erfolgreichstes
Modell und wurde bis 1893 in einer Stückzahl von 15 Mio. hergestellt.
1867 erzielten die Thonets die höchste Auszeichnung: Die Goldmedaille bei
der Weltausstellung in Paris. 1869 lief das Privileg von 1856 aus, doch da
man den Markt beherrschte, wurde es nicht erneuert. Michael Thonet starb am
3.3.1871 im Kreise seiner Kinder; die 5 Söhne fuhren fort, die Produktion
auszuweiten.
Um die Mitte der 70er Jahre beschäftigten die Thonets 4.500 Arbeiter und
produzierten täglich 2.000 Möbelstücke, davon allein 1.750 Stühle. Nach dem
1. Weltkrieg wurde der Familienbetrieb in eine AG umgewandelt. Bald danach
vereinigte man sich mit dem wichtigsten Konkurrenten, der Firma Jacob und
Josef Kohn. Heute stellt die Firma Gebr. Thonet GmbH in Frankenberg/Eder in
ansehnlichen Mengen u. a. die klassischen Modelle her. 300 Mitarbeiter unter
der Leitung von Michael Thonets Ururenkeln, setzen die Bugholztradition
fort.
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